Tränen sind getrocknet

So wollen die Motor-Fans ihren Sechser oft sehen: Die Zeitzer freuen sich nach einem Punktgewinn. (BILD: HARTMUT KRIMMER)

VON JOACHIM BEYER

Die Volleyballer von Motor Zeitz wollen in der kommenden Saison den sofortigen Wiederaufstieg in die Oberliga erreichen. Doch auch in der Landesliga stellen sie sich auf harte Konkurrenten ein.

ZEITZ/MZ. „Die Tränen sind getrocknet. Nun müssen wir wieder nach vorn schauen.“ Das sagt der Vorsitzende der Motor-Volleyballer Thomas Thierfelder. Die erste Herrenmannschaft der Rot-Schwarzen ist nach neun Spieljahren in der Oberliga aus der höchsten Spielklasse Sachsen-Anhalts abgestiegen. „Das Ziel für die kommende Saison kann nur Wiederaufstieg heißen. Es wird aber kein Zuckerschlecken in der Landesliga. Gegen uns werden alle anderen Teams in dieser Spielklasse 110 Prozent geben“, glaubt Thierfelder. Der Volleyballchef blickt zurück. „Es war schade und ärgerlich für uns alle, dass wir das Klassenziel Nichtabstieg nicht erreichen konnten.“ Thierfelder sieht drei Schwerpunkte, die zum Abstieg führten. So war die Liberoposition oft unbesetzt. Das wäre die ganze Saison ein großes Problem gewesen. In der Rückrunde hatte man einige Langzeitverletzte. Robert Girke, Christoph Jahr und Alexander Jacob fielen einige wichtige Spiele aus. Und die Spielerdecke sei nicht groß genug gewesen. „Wir müssen die sogenannte zweite Reihe noch stärker an den Stammkader heranführen“, so Thierfelder. „Wir haben gegen die Aufsteiger so wenig gepunktet“, sieht Mittelblocker Christoph Jahr die entscheidende Ursache für den Abstieg. Man habe gegen Neuling Gardelegen zu Hause schon 2:0 geführt und dann noch 2:3 verloren. Im Rückspiel fast das gleiche Bild. Motor unterlag 2:3.

Pech und Unvermögen

Auch gegen den anderen Aufsteiger Bitterfeld-Wolfen III wurde nur ein Sieg eingefahren. Im wohl schlechtesten Saisonspiel habe man beim Tabellenletzten PSV Halle ersatzgeschwächt 1:3 verloren. Das war für die Hallenser der einzige Sieg in der zu Ende gegangenen Spielzeit gewesen. „Die sechs Punkte, die wir eingefahren haben, sind zu wenig gewesen. Deshalb sind wir verdient abgestiegen“, so Jahr. Das beste Spiel habe die Mannschaft beim Auswärtssieg mit 3:0 bei USV Halle II geboten. Aber das Rückspiel wurde dann in Zeitz 0:3 verloren. Mannschaftskapitän Michael Zimmermann blickt mit Frust auf die abgelaufene Spielzeit zurück: „Es lief vieles gegen uns. Teils war es Unvermögen, aber wir hatten in einigen Spielen auch Pech.“ Die Neuen in der Mannschaft mit Eric Theil. Heiko Mengel und Pascal Thierfelder mussten ins kalte Wasser geworfen werden. Pascal Thierfelder machte im letzten Saisonpunktspiel gegen Weißenfels als Libero eine recht gute Figur. Alle diese veranlagten Spieler müssen weiter reifen. Der gemeinsame zentrale Spieltag in Zeitz in den Berufsbildenden Schulen war nach Angaben des Verbandes ein großer Erfolg gewesen. 350 Fans erlebten einen tollen Abschlussspieltag. Das einzige Manko daran war, dass die Rot-Weißen aus Weißenfels mit einen 3:1-Erfolg die Zeitzer in die Landesliga schossen. „Das ist nun Geschichte. Nun möchten wir wieder aufsteigen. Das muss unser Ziel sein. Sonst bräuchten wir ja gar nicht erst anzutreten“, sagt Zimmermann.

Vorbereitungen laufen bereits

Es werde zwar noch eine Weile dauern, bis die „Motor-Biene“ wieder die Stimmung in den Punktspielen in heimischer Halle der Berufsbildenden Schulen anheizt, aber die Vorbereitung auf die Landesliga-Saison läuft bereits. Am 31. Mai trifft sich die Mannschaft zu einer Aussprache. Man gehe aber im Zeitzer Lager davon aus, dass alle bei den Rot-Schwarzen das Unternehmen Oberligaaufstieg in Angriff nehmen. „Ob es gar Neuzugänge gibt, das ist noch nicht geklärt. Wir arbeiten daran“, so Thierfelder.

Auch ein Trainer sei für die kommende Spielzeit im Gespräch, aber noch ist diesbezüglich nichts in Sack und Tüten.

Wunder für Motor bleibt aus

Der wirksam spielende Außenangreifer Christian Schümann überwindet den Weißenfelser Block. (BILD: CORINA WUJTSCHIKX)

VON JOACHIM BEYER

Beim Abschlussspieltag der Oberliga feiern zehn Teams in Zeitz ein stimmungsvolles Finale. Motor Zeitz bleibt auf einem Abstiegsplatz.

ZEITZ/MZ.

„Unsere Oberliga-Mannschaft hat trotz der 1:3-Niederlage gegen Weißenfels ein großes Spiel geliefert“, sagte der Zeitzer Motor-Volleyballvorsitzende Thomas Thierfelder. Die Zeitzer müssen nun in der kommenden Saison wahrscheinlich in der Landesliga antreten. Mit den Tränen kämpfend sagte Thierfelder in der Schlussrede zu den treuen Fans über Mikrofon: „Es waren tolle Jahre in der Oberliga, wir kommen wieder“, und meinte damit den Wiederaufstieg in die Oberliga. Die Rot-Schwarzen wurden für ihr aufopferungsvolles Spiel gegen den Vizemeister mit Beifall verabschiedet.

Motor hatte durch den Sieg von Gardelegen über Bitterfeld III die Möglichkeit, mit einem Erfolg über den hohen Favoriten Weißenfels den Abstiegsplatz noch zu verlassen. Das gelang nicht. Die Volleyballer von Motor Zeitz müssen sich nach neunjähriger Zugehörigkeit aus der Oberliga verabschieden.

350 Zuschauer sahen in den Zeitzer Berufsbildenden Schulen eine spannende Partie. Motor hatte in der Aufstellung eine Überraschung parat. Pascal Thierfelder spielte in seinem ersten Einsatz von Beginn an als Libero. „Er hat seine Aufgabe gut gelöst“, lobte Zuspieler Ronny Klügl. Die Saalestädter waren die clevere Mannschaft. „Das ist die neue Qualität unseres Sechsers. Wir lassen uns auch nach Rückstanden nicht mehr so schnell aus dem Rhythmus bringen“, sagte Rolf Beyer, Manager der Weißenfelser.

Die Saalestädter begannen vor fast vollem Haus dominant. Den Gastgebern merkte man an, dass sie unter Druck standen und sie gerieten klar in Rückstand. Mit 17:9 für den Gast schien der erste Satz dieses Elster-Saale-Derbys schnell entschieden. Doch die Zeitzer steigerten sich. Mit einer Aufgabenserie durch Marc Scheffel von acht Punkten waren die Hausherren wieder dran. Die Schlussphase war an Dramatik nicht zu überbieten. Zeitz konnte einen Satzball bei einer 25:24-Führung nicht verwandeln. Weißenfels siegte 28:26. Die Rot-Schwarzen mussten in der Schlussphase eine umstrittene Entscheidung in Kauf nehmen, der den Satz kostete.

Auch im zweiten Satz ließen sich die Spieler des Tabellenvorletzten nicht abschlachten, unterlagen 21:25. Der dritte Durchgang wurde dann eine klare Angelegenheit für die Einheimischen. Sie wuchsen jetzt über sich hinaus und feierten einen 25:22-Erfolg. Im letzten Durchgang führten die Hausherren lange. „Individuelle Fehler haben in der Schussphase dazu geführt, dass Weißenfels 25:21 gewinnen konnte“, ärgerte sich Mittelblocker Christoph Jahr. „Die Weißenfelser zeigten eine starke Feldabwehr und hatten in Dix ihren überragenden Angriffsspieler. Wir haben ein gutes Spiel gemacht, aber zum Wunder hat es nicht ganz gereicht“, schätzt Klügl ein. Mannschaftskapitän Michael Zimmermann fand kaum Worte, die Enttäuschung über den Abstieg saß tief: „Wenn wir immer so gespielt hätten, dann wären wir auf jeden Fall drin geblieben.“ Sven Dix, der ehemalige Droßdorfer, war nach Meinung von Rolf Beyer an diesen Tag der bester Mann des Sechsers der Rot-Weißen gewesen. Der Außenangreifer machte die meisten Punkte gegen Zeitz. Die Gastgeber hatten in diesem Match die Sympathien der anderen zuschauenden Teams, Auch die Geschäftsführerin des Volleyballverbandes Corina Wagner war beeindruckt. Sie sagte: „Zeitz hätte den Sieg durchaus verdient gehabt.“ Thierfelder sprach ein Lob an die Fans. „Sie haben uns wieder prächtig unterstützt.“ Die Zeitzer Trommler Infiernos Baterista (Hollentrommler) hatten einen langen Tag. Erst feuerten sie Gardelegen an und dann den heimischen Sechser.

Motor im Tal der Tränen

An den Gesichtern der Motor-Akteure kann man den Spielstand ablesen. (BILD: KRIMMER)

VON JOACHIM BEYER

Minutenlanges Schweigen herrschte nach der 0:3-Niederlage gegen USV Halle II in der Kabine der Motor-Volleyballer. Jeder Spieler hatte in diesen schweren Minuten mit sich zu tun. Die Zeitzer stehen damit vor dem Abstieg.

ZEITZ/MZ. Dieses Ergebnis bedeutet wohl den Abstieg nach ununterbrochener neunjähriger Spielzeit in der Oberliga. Als erster fand Mittelblocker Christoph Jahr Worte: „Sportlich sind wir abgestiegen“, sagte er mit leiser Stimme. Motors Volleyballvorsitzender Thomas Thierfelder verabschiedete die treuen Fans nach dem Match und was er sagte, fiel ihm schwer: „Es sollte nicht sein. Aber das Leben geht weiter.“

Der Klassenerhalt ist noch theoretisch möglich. Zeitz muss aber die letzten beiden Begegnungen beim Tabellenführer Magdeburg antreten und empfängt zum Abschlussspieltag in der Elsterstadt den Tabellenzweiten Rot-Weiß Weißenfels. „Wir haben schöne Zeiten in der Oberliga erlebt. Schon der Aufstieg war gigantisch“, schwelgte Thierfelder in Erinnerungen. Die Mannschaft habe vor tollem Publikum viele starke Partien geliefert. Der dritte Platz und der Gewinn der Bronzemedaille im Landesmaßstab sei vor drei Jahren der Höhepunkt in der Motor-Volleyball-Geschichte gewesen. Die Abgänge in den letzten Jahren konnten die Rot-Schwarzen aber nicht verkraften. Reinhard Wittrich, Alexander Schmidt und vor allem Bork Immisch haben Lücken hinterlassen, die letztendlich nicht zu kompensieren waren. Das Spieljahr 2012/2013 war für die Elsterstädter höchst unglücklich verlaufen. Es ging mit der Heimniederlage gegen Gardelegen ungünstig los. Zeitz führte 2:0 und lag im dritten Durchgang schon klar vorn. Doch die Spieler um Kapitän Michael Zimmermann gaben diesen Satz noch ab und verloren sogar 2:3. „Langzeit-Verletzungen von Stammspielern brachten keine Konstanz in unseren Sechser “, sah Thierfelder als eine der Ursachen für die jetzige Situation. Er schätzte auch nach der Niederlage gegen USV Halle II ein, dass die Mannschaft gekämpft habe, aber die Köpfe nicht frei bekam. Gästespieler Kai-Uwe Geppert sah das ähnlich: „Zeitz hat die Angst nicht besiegen können.“ Die Einheimischen kamen nicht gut in die Partie. Die Nervosität war deutlich sichtbar. „Die Hallenser spielten ihre Routine aus, liefen nicht viel, aber hatten das Auge, wo der Ball hin gespielt werden muss“, fand Thierfelder.

Den ersten Satz gewannen die Gäste deutlich 25:18. Im zweiten Durchgang steigerten sich die Zeitzer, mussten aber meist einem Rückstand hinterherlaufen. Am Ende verlor Zeitz hauchdünn 23:25. Genauso verlief Satz drei. Die routinierten Hallenser – alle im Alter um die 50 Jahre – konnten auch diesen Durchgang mit 25:23 knapp für sich entscheiden.

„Sollte sich am Abstieg nichts mehr ändern, müssen wir uns gut auf die Landesliga-Saison vorbereiten, um den Wiederaufstieg anpeilen zu können“, sagte Zuspieler Ronny Klügl. Doch noch ist die Saison nicht zu Ende. Am 16. März steigt der Abschlussspieltag in der Zeitzer Halle der Berufsbildenden Schulen. „Darauf werden wir uns gründlich vorbereiten. Wir wollen unseren Fans zum Saisonabschluss einen Höhepunkt bieten“, sagt Thierfelder.

Zeitz:  Zimmermann, Klügl, Scheffel, Jahr, Jacob, Schumann, Mengel. Girke, Theil, Pascal Thierfelder