Am Ende nur noch Frust bei Motor Zeitz

Motor Zeitz gibt im Derby gegen Rot-Weiß Weißenfels eine 2:0-Satzführung aus der Hand. Das Immisch-Team leistet sich zu viele Annahmefehler.

Es gab reichlich Klärungsbedarf beim Motor-Team.
(BILD: MICHAEL THOMÉ)

WEISSENFELS. Ein Déjà-vuǘ erlebten die Landesoberliga-Volleyballer vom SV Rot-Weiß Weißenfels und dem SV Motor Zeitz am späten Samstagnachmittag in der Weißenfelser Inge-Schanding-Halle. Wie schon beim letzten Aufeinandertreffen der beiden Teams vor einem halben Jahr entschied Motor die ersten beiden Sätze für sich und sah fast schon wie der sichere Gewinner aus. Doch feiern konnten wieder nur die Weißenfelser, die erst den dritten und vierten Satz ziehen konnten und dann im entscheidenden Tie-Break mit 15:12 die Oberhand behielten. „Das ist mir jetzt gerade erst bewusst geworden. Im Spiel hat das keine Rolle in unseren Köpfen gespielt“, sagte Motor-Spielertrainer Bork Immisch über diese kuriose Dopplung. Zwei Sätze machte sein Team vieles richtig und schaffte es jeweils, sich gegen Mitte des Abschnittes abzusetzen. „Zeitz hat gut gespielt und stark verteidigt. Damit sind wir nicht klargekommen und nervlich sind wir in solchen Situationen noch nicht gefestigt“, meinte der Weißenfelser Spielertrainer Chris Beyer.

Doch in Satz drei erlebten die Neustädter eine regelrechte Wiederauferstehung und waren kaum wiederzuerkennen. Allen voran Toni Ziegler, der mit seinen Diagonalangriffen die Aufholjagd der Gastgeber maßgeblich ankurbelte. „Toni ist ein immens wichtiger Spieler für uns. Er ist schlecht in die Partie gekommen und hat sich selber unter Druck gesetzt. Mit seinen Diagonalschlägen hat er dann wichtige Punkte für uns geholt“, lobte Beyer seinen Diagonalangreifer. Währenddessen leisteten sich die Zeitzer einen katastrophalen dritten Satz. „Wir hatten in dieser Phase große Probleme mit der Annahme. Für uns war schon früh klar, dass wir diesen Satz nicht gewinnen, also haben wir ein paar Stammspieler geschont“, erklärte Bork Immisch, den dieser dritte Satz weniger ärgerte, als das, was dann im vierten Satz passierte.

Hier erwischte Motor einen guten Start und konnte sich schnell auf 7:1 absetzen. „Auch beim 17:17 ist noch alles gut, aber dann müssen wir den Satz und somit das Spiel gewinnen“, so Immisch, der mit seiner Mannschaft auch diesen Abschnitt abgab (23:25). Somit ging es in den Tie-Break. Hier war aus Zeitzer Sicht dann aber die Luft raus. „Das war nur noch Frust, weil wir eine 2:0-Satzführung abgegeben haben“, sagte Immisch. Auch die Konzentration und die Kondition hätten dann nachgelassen, während die wie entfesselt spielenden Weißenfelser ohne Mühe den fünften Satz für sich entscheiden konnten. „Für die Zuschauer war das sicher schön, für einen Trainer aber eher schlecht“, fand Chris Beyer schmunzelnd nach diesem Krimi. Nachdem seine Mannschaft nach dem zweiten Satz mit dem Rücken zur Wand stand, habe er von seinem Team mehr Risiko beim Aufschlag gefordert. Dieser Mut wurde am Ende belohnt, meinte Beyer, der froh ist, das Derby gewonnen zu haben. „Wir wollten uns kein halbes Jahr lang anhören, dass wir zu Hause gegen Zeitz verloren haben“, sagte Chris Beyer, wohl wissend, um wie viel Prestige es bei diesem Duell auch ging.

Aber auch sportlich war der Sieg für die Neustädter von enormer Wichtigkeit. Mit nun sechs Punkten verschaffte sich Weißenfels Luft im Abstiegskampf. „Vor der Saison hätten wir nicht gedacht, dass wir zu diesem Zeitpunkt so viele Punkte haben. Auf der anderen Seite haben wir auch schon Punkte verschenkt“, sah Beyer die momentane Situation mit gemischten Gefühlen. Das Team befinde sich gerade in einem Umbruch und einer Findungsphase. „Deshalb sind wir in allen Elementen noch nicht stabil“, erklärte Beyer.

Dagegen spitzt sich die Lage von Motor Zeitz weiter zu. Das Immisch-Team rutschte aufgrund des Sieges vom Burger VC auf den letzten Platz. Grund zur Besorgnis herrscht jedoch nicht: „Es ist alles ziemlich eng in der Tabelle. Ärgerlich ist für uns nur, dass wir heute zwei Punkte liegengelassen haben“, sagte Bork Immisch. Für ihn und sein Team sei jede Begegnung bis auf die Topteams Ballenstedt und Gardelegen ein Spiel gegen den Abstieg. Nächste Woche steht dann das Duell gegen den USC Magdeburg II vor heimischem Publikum an. „Da wissen wir noch nicht so richtig, was uns erwartet“, war sich Immisch über die Stärken des Tabellenachten noch nicht richtig im Klaren.
VON TOBIAS SCHLEGEL(mz)

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